Für die Dokumentation von Günter Schilhan hat Nikolaus Harnoncourt 2014 – zwei Jahre vor seinem Tod im März 2016 – eine Werkauswahl der für ihn bedeutendsten Musik seines Lebens zusammengestellt. Von der Kindheit bis zur Gegenwart reicht diese musikalische Biografie, die anhand von vorher nie gezeigten Fotos und Personalien aus dem Familienarchiv, Konzertausschnitten, Probenarbeiten und persönlichen Kommentaren des Ausnahmekünstlers einen Bogen über sein Leben und gleichzeitig über die von ihm mehr als 60 Jahre mitgeprägte Musikgeschichte spannt. Seine frühen Kindheitserinnerungen führten den späteren Weltstar zu den Melodien George Gershwins, die sein Vater für die Familie am Klavier im Grazer Palais Meran intonierte. Eine Radioübertragung von Beethovens 7. Symphonie gab 1947 den entscheidenden Impuls für seinen Berufswunsch: Er wollte Cellist in einem Orchester werden. Seine Karriere als Orchestermusiker beendete Harnoncourt allerdings abrupt nach einer Aufführung von Mozarts g-Moll Symphonie, die seiner Meinung nach völlig falsch interpretiert worden war. In den folgenden Jahrzehnten schuf er, zuerst noch als Cellist, dann als Dirigent, mit der Gründung des Concentus Musicus seinen eigenen musikalischen Kosmos. Hier folgte Nikolaus Harnoncourt nur den "Leitgestirnen der Musikgeschichte" und erarbeitete aus den Partituren von Monteverdi, Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert bis Smetana, Dvořák oder auch Gershwin seine eigene, revolutionäre Klangvorstellung, mit der er sich zu Beginn nicht nur Freunde machte.